search
Hilfe & Support

Achtung bei Miete und Nebenkosten: weshalb du immer pünktlich zahlen solltest

Die Energiepreise und Mieten sind im Höhenflug. Insbesondere Geringverdienende kommen schnell an ihre finanziellen Grenzen, wenn plötzlich eine Nachzahlung für Strom oder Gas fällig wird. Oder sie können die Miete kaum noch aufbringen, weil das Leben immer teurer wird. Erfahre, wie du eine solche Notlage vermeidest und wo du Hilfe erhalten kannst.

Redaktions-Team | Okt. 14, 2022 4 min
Achtung bei Miete und Nebenkosten

Bei Elena und Michael ist das finanzielle Polster dünn. Beide verdienen in ihren Jobs gerade genug zum Leben. Seitdem sie eine hohe Rechnung für die Reparatur ihres Autos beglichen haben, tun sich ständig neue Lücken auf. Miete und Nebenkosten werden zum Monatsanfang fällig, der laufende Smartphone-Vertrag ist kein Schnäppchen und dann ist da noch der Ratenkredit für die Wohnzimmermöbel.
Das Paar ist unschlüssig. Welchen Verbindlichkeiten sollte es als Erstes nachkommen? Mit Blick auf die Konsequenzen raten Schuldnerberatungsstellen zu dieser Reihenfolge:

1. An erster Stelle steht die Miete inklusive Nebenkosten, die an die:den Vermieter:in gezahlt wird. Der Grund: Wer nicht vollständig und pünktlich zahlt, verliert schlimmstenfalls sein Zuhause.

2. Dann folgen Heizungs- und Stromkosten. Die Auswirkungen sind gravierend, wenn Schulden beim Energieversorger angehäuft werden. Denn dann bleibt die Wohnung kalt oder der Strom wird abgestellt.

3. Erst wenn Miete, Strom und Heizung bezahlt sind, sollten Mieter:innen alle weiteren Forderungen, wie Mobilfunkrechnung und Tilgungsraten, für den Kredit begleichen.

Was passiert, wenn ich die Miete nicht zahle?

Natürlich kann es passieren, dass es einem nicht möglich ist die Miete inklusive Nebenkosten zu zahlen. Allerdings kann das Folgen mit sich bringen, die einem bewusst sein müssen. Zahlst du die Miete inklusive Nebenkostenabschlag nicht bis zum dritten Werktag nach Monatsbeginn, gerätst du in einen Mietrückstand. Kannst du die Miete in zwei aufeinanderfolgenden Monaten nicht zahlen, kann eine fristlose Kündigung auf dich zukommen. Der:die Vermieter:in kann dir ebenfalls kündigen, wenn du den Betrag regelmäßig zu spät oder auch ständig nur teilweise begleichst. Doch es gibt immer die Möglichkeit mit dem:der Vermieter:in zu sprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden.

Und was geschieht, wenn ich den Versorger nicht bezahlen kann?

Sofern deine Außenstände bei deinem Stromversorger 100 Euro übersteigen, ist er berechtigt, die Belieferung einzustellen. Bei Gas gelten unter Umständen schon geringere Außenstände. Für eine Sperre müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, etwa die Zusendung einer Mahnung, einer Sperrandrohung und der Ankündigung des Sperrtermins innerhalb bestimmter Fristen. Zudem darf eine Energiesperre nicht unverhältnismäßig sein. Dies könnte der Fall sein, wenn Kleinkinder oder Schwangere in der Wohnung leben.

Doch Mieterverbände schätzen, dass jede zweite Nebenkostenabrechnung nicht korrekt ist. Die „Stiftung Warentest“ listet in diesem Beitrag auf, welche Punkte du prüfen solltest, um mögliche Fehler zu entdecken. Auch die Rechnungen der Energieversorger solltest du unter die Lupe nehmen, die Werte mit den Zählerständen abgleichen und bei Fehlern Widerspruch einlegen.

 

Aber was tun, wenn das Geld eben nicht reicht?

Bevor du eine Miet- oder Abschlagszahlung für Strom und Gas aussetzt, solltest du das Gespräch mit Vermieter:in oder Energieversorger:in suchen. Erkläre deine Situation und versuche, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Bitte um eine Ratenzahlung oder Stundung.
Um wieder die Oberhand über deine finanzielle Situation zu gewinnen, solltest du das Problem aktiv angehen:

• Sortiere deine Rechnungen. Notiere deine Ein- und Ausgaben und verschaff dir einen Überblick über deine Finanzen.
• Vom Kaffee zum Mitnehmen bis zum Zeitschriftenabo: Überlege, welche alltäglichen Ausgaben du einsparen kannst.
• Reduziere deine Heizkosten: Wenn du deine Raumtemperatur um ein Grad senkst, verringerst du deine Ausgaben für die Heizenergie bereits um sechs Prozent!
• Prüfe, ob du auch beim Strom im Alltag Einsparpotenzial hast. Lässt du beispielsweise Geräte oder Lampen eingeschaltet, wenn du sie nicht brauchst?
• Verkaufe gebrauchte Dinge, die du nicht mehr benötigst.
• Suche eine Schuldnerberatungsstelle auf.

Hilfe bei Miet- und Energieschulden

Sofern du Arbeitslosengeld II erhältst, kannst du beim Jobcenter die Übernahme der Miet- und Energieschulden als Darlehen beantragen. Falls du keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II hast, solltest du dich an das Sozialamt wenden. In Ausnahmefällen kann es bei Miet- und Energieschulden einspringen und dir ein Darlehen gewähren. Frag dort auch gleich nach, ob du generell Anspruch auf Wohngeld hast, was deine finanzielle Situation ebenfalls erleichtern würde. Zudem könnte das Beratungs- und Hilfsprogramm Stromspar-Check für dich interessant sein. Neben individuellen Informationen zum Energiesparen umfasst es eine Prämie für den Kauf eines neuen, effizienten Kühlschranks oder Gefriergeräts.

Fazit

Zahle deine Miete und deine Nebenkosten pünktlich und vollständig. Wenn deine finanzielle Lage dies kaum mehr erlaubt, sprich mit Vermieter:in und Energieversorger:in. Hole dir Hilfe bei Sozialamt, Jobcenter oder Schuldnerberatung.