Open-Book-Policy im NPL-Verkauf: warum Käufertransparenz zur Governance-Frage geworden ist
Warum die Open-Book-Policy im NPL-Verkauf zur Governance-Frage wird: Wie Transparenz über Preislogik und Annahmen Nachvollziehbarkeit, interne Abstimmung und langfristige Glaubwürdigkeit im regulierten Umfeld stärkt.
Christian Groß-Hetzel, Investment Director Central Europe bei Riverty, hat diese Entwicklung früh adressiert. In einem aktuellen Beitrag beschreibt er Open-Book-Ansätze als strukturellen Wandel im NPL-Markt: „Mit einer Open-Book-Policy lösen wir uns von einmaligen Transaktionen, die mit dem Vertragszeichnung enden, und bewegen uns hin zu Strukturen, in denen beide Seiten aus jeder Transaktion lernen und sich entwickeln können.“ Damit rückt Transparenz von einer operativen Frage in den Kontext von Steuerung, Nachvollziehbarkeit und institutioneller Glaubwürdigkeit.
Warum das Thema jetzt relevant ist
Die gestiegene Bedeutung von Käufertransparenz ist Ausdruck mehrerer Entwicklungen. NPL-Portfolios sind heterogener geworden, Entscheidungsprozesse komplexer und regulatorische Erwartungen klarer formuliert. Ein isolierter Preis reicht häufig nicht mehr aus, um Entscheidungen intern wie extern zu erklären.
Gleichzeitig ist die interne Beteiligung gewachsen. Risiko, Finance, Compliance und Revision sind heute eng in Verkaufsprozesse eingebunden. Entsprechend steigen die Anforderungen an Begründbarkeit und Konsistenz.
Groß-Hetzel bringt dies auf den Punkt: „Im Kern verwandelt eine Open-Book-Policy einen NPL-Verkauf in ein Feedback-Instrument für das Kreditgeschäft selbst.“ Transparenz dient damit nicht primär der Offenlegung, sondern der Lern- und Entwicklungsfähigkeit.
Preislogik als Governance-Thema
Einblick in Preislogik, Kostenannahmen und operative Herangehensweisen von Käufern unterstützt Verkäufer bereits in der Abstimmung vor Verkauf. Statt isolierter Zahlen stehen nachvollziehbare Annahmen im Mittelpunkt der Diskussion.
Dabei geht es nicht um die Überprüfung oder Übernahme von Käufermodellen. Entscheidend ist, die Werttreiber zu verstehen und erklären zu können, warum ein Gebot innerhalb definierter Risiko- und Governance-Rahmenbedingungen sinnvoll erscheint.
Langfristig fördert dies eine realistischere Erwartungshaltungen und klarere Entscheidungen über Verkauf oder Eigenbewirtschaftung.
Verantwortung endet nicht mit dem Closing
In regulierten Instituten endet Verantwortung nicht mit dem Vertragsabschluss. Prüfungen, Gespräche oder interne Reviews können Jahre später stattfinden.
Wo transparente Strukturen bestehen, lassen sich Entwicklungen anhand dokumentierter Annahmen erklären. Abweichungen werden interpretierbar, statt rechtfertigungsbedürftig. Governance bedeutet in diesem Kontext nicht Kontrolle, sondern Einordnung.
Oder, wie Groß-Hetzel es implizit formuliert: Transparenz sichert Interpretationsfähigkeit, nicht die operative Einflussnahme.
Häufige Missverständnisse
Trotz zunehmender Akzeptanz bestehen Fehlannahmen. Ein verbreiteter Einwand lautet, Transparenz schwäche die Verhandlungsposition. In der Praxis reduziert sie oft Risikoabschläge und überzogene Risikoaufschläge.
Ebenso wird der Open-Book-Ansatz fälschlich mit vollständiger Offenlegung gleichgesetzt. Tatsächlich geht es um wesentliche Annahmen und Werttreiber, nicht um Geschäftsgeheimnisse.
Nicht zuletzt wird Transparenz gelegentlich als Reporting-Thema verstanden. Ihr Mehrwert entsteht jedoch erst dann, wenn sie als integrierte Governance- und Steuerungsmöglichkeit verstanden wird.
Strategische Einordnung
Transparenz im NPL-Verkauf ist heute mehr als eine operative Option. Sie ist Teil moderner Governance-Logik in einem zunehmend geregelten Marktumfeld.
Indem Open-Book-Ansätze nachhaltige Wertlogiken sichtbar machen, stärken sie Nachvollziehbarkeit, interne Abstimmung und langfristige Entscheidungssicherheit.
Oder, in den Worten von Christian Groß-Hetzel: Es geht weniger darum, die Bücher zu öffnen, als darum, den Dialog zu öffnen und fortzuführen.
Warum Riverty?
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